Zur Unvereinbarkeit von Gesundheit, Kulturgenuß & Gelassenheit
Es funktioniert so einfach nicht, es läßt sich nicht vermeiden: Der Rotwein oder wenigstens das Absackerbier nach dem Kulturgenuß – also nach dem Besuch von Kino, Konzert, Theater – ist von mindestens ebenso großer Wichtigkeit wie die Zigarette danach (auf die ich momentan nicht nur aus Willensstärke verzichte); und wo kann man dem Genuss dieser postkulturell-obligatorischen Barbiturate besser frönen als in einer geselligen Runde, der Diskussion über die soeben konsumierte Kultur verfallen?
Diese Diskussionen bringen ein ständiges Ab- und Ausschweifen mit sich, teilweise auch Gedankensprünge, die nüchtern einfach nicht zu verfolgen sind, so dass eine integere Diskussionskultur ausschließlich durch Zufuhr weiteren Alkohols gewährleistet ist.
Steht man dann am nächsten Morgen mit der Absicht auf, joggen zu gehen, um seiner Gesundheit was Gutes zu tun, muss man feststellen, dass der Kater das einfach nicht zuläßt.
These 1: Normaler Kulturgenuß und Gesundheit sind nicht miteinander vereinbar.
Wie kann es also gehen: Sportlich werden, ohne automatisch zu verblöden? Angesichts der ekelhaften Gewebetransformationsberge – es handelt sich hierbei um die versuchte Transformation von Fett- in Muskelgewebe – die sich tagtäglich durch die Fitnesstudios wälzen, keine leichte Aufgabe.
Ok, dann eben eingeschränkter Kulturgenuß, ohne Diskussion. Vor allem ohne Alkohol. Diskutieren kann man ja über die geplanten sportlichen Aktivitäten. Gibt kaum ein spannenderes Thema. Wirklich.
Für Spießer.
These 2: Kulturgenuß und Gesundheit sind vereinbar, sofern man ein ekelhafter Biedermann wird.
Als ich mir gestern Abend Gedanken machte, was wohl das Gegenteil eines Spießers ist, der nach dem Theaterbesuch über die Joggingstrecke redet, fiel mir nur das Adjektiv gelassen ein. Das unter-einen-Hut-bekommen dieser drei Begriffe – Kulturgenuß, Gesundheit und Gelassenheit – scheint unmöglich und bildet ein trigonometrisches Paradoxon ersten Prädikats, welches unbedingt in diese Liste aufgenommen werden sollte.
These 3: Dann eben nicht. Weitermachen. Aua. Kater.
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