Umzug (Teil 1)
Ein Umzug ist was Feines. Raus aus der alten Bude, rein in ein neues Heim, mitten in der Partymeile, der Geschmack von Freiheit und Abenteuer läßt grüßen, gerade, wenn man – zwar in ein gediegenes Haus – aber in die Kreuzberger Partymeile gezogen ist.
Da ich ein Klavier zu transportieren hatte, wählte ich die Telefonnummer eines Umzugsunternehmens. Eines, welches hier bestimmt nicht näher genannt werden will. Warum?
Nun… ich rief dort wegen eines Pauschalangebotes an: Zwei Mann, ein LKW, drei Stunden: 150 Euro. Klingt super. Da das Unternehmen auch Klaviertransporte zu machen schien, ging ich davon aus, dass das inbegriffen war und staunte nicht schlecht, als man mich informierte, dass ein Klaviertransport 200 Euro extra kosten solle. So beauftragte ich also ein renommiertes Unternehmen mit dem Klaviertransport (die wollten incl. Anfahrt auch nur 110 Euro haben), willigte aber trotzdem ein, ein Angebot über den restlichen Umzug per eMail geschickt zu bekommen.
Das kam leider nie an. Stattdessen zweimal die Geschäftsbedingungen der Firma. Muss wohl an meinem Mac liegen, dass immer nur die Datei AGB.doc an die eMail angehängt war, zumindest erklärte man mir bei meinem Besuch bei der Firma, die durchaus einen vertrauenserweckenden Eindruck machte, dass das bei allen anderen Kunden immer reibungslos geklappt hätte.
So unterschrieb ich also den Auftrag per Hand und war mit dem Unternehmen um 14.00 Uhr verabredet. Um 14.10 war nichts zu sehen. Auf meinen Anruf hin versicherte man mir, dass es sich nur noch um Minuten handeln könne. Um 14.30 versicherte man mir das nochmals. Um 14.45 bekam ich die Telefonnummer einer “Frau vom Unternehmen” (aha?!), die mir unmißverständlich unfreundlich klar machte, dass es meine Schuld sei, dass ihre Kollegin mir ihre private Handynummer gegeben hätte. Diese “Frau vom Unternehmen” gab mir beim nochmaligen Anrufen allerdings ohne zu Zögern die Nummer des Fahrers, es war mittlerweile 15.00 Uhr. Um 15.30 Uhr kam der dann auch. Und brachte einen Helfer mit. Der vielleicht 16 war, Schule schwänzte und dafür seinen ersten Tag als Aushilfe bei der Firma arbeitete und mir später erklärte, dass er “heute schon einen Umzug hinter sich habe und deswegen nicht so viel tragen könne”. Außerdem brachte der Fahrer einen zweiten Umzugshelfer mit, der freundlich, stark wie ein Pferd und fröhlich zu sein schien. Der sollte aber extra kosten, der Fahrer sei ja schließlich nur Fahrer und würde nix tragen. Meine Anfrage, den zweiten Träger wegen der enormen Verspätung auf Kulanz zu stellen, wurde rüde abgekanzelt, sowohl vom Fahrer als auch vom Chef des Unternehmens. Den starken Mann brauchten wir aber, da er der Einzige(!) war, der in der Lage war, eine Waschmaschine zu tragen. Also bezahlte ich ihn später auch.
Lustig war auch der desolate LKW des Unternehmens, den ich bisher immer für einen schrottreifen Haufen Altmetall hielt, wenn er in der Wiener Straße geparkt war.
So fing der Umzug also an, das erste, was passierte, war ein dicker Kratzer in meinem Lieblingsmöbelstück, der durch Unachtsamkeit der Schüler-Aushilfe beim Aufklappen der LKW-Tür passierte. Nach 30 Minuten war der LKW beladen, da meine selbstorganisierten Helfer die Güte besessen haben, länger als eine Stunde auf das Unternehmen zu warten. Nach einer weiteren Stunde und einigen Zusammenbrüchen der Aushilfe hatten meine(!) Helfer den Umzug erledigt, so dass das Unternehmen nach eineinhalb Stunden wieder nach Hause fahren konnte, nicht ohne nochmals seine gnadenlose Inkompetenz zu bestätigen, indem sie sagten, beim nächsten Mal solle man sie doch direkt beauftragen und nicht ohne zwei Unterfirmen dazwischen, dann würden sie auch einen richtigen LKW mitbringen.
Einen Quittungsblock hatte man auch nicht dabei, ebensowenig wie eine Kopie der Rechnung, damit ich einen Beweis hatte, dass ich sie bezahlt habe. Dafür musste jemand in den Copyshop. Nachdem das Unternehmen dann noch eine alte Säule und ein paar Farbeimer in den Innenhof meines neuen Hauses abgestellt hatte und so auch noch kostengünstig den Müll des letzten Umzugs entsorgte, fuhren sie in ihrer Rostlaube weg.
Nie wieder!
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