Der Gott des Gemetzels

Text: Yasmina Reza; Regie: Jürgen Gosch, Ensemble des Schauspielhauses Zürich, Gastspiel im Rahmen des Theatertreffens im Deutschen Theater; Schauspieler: Corinna Kirchhoff als Annette Reille, Dörte Lyssewski als Véronique Houillé, Michael Maertens als Alain Reille, Tilo Nest als Michel Houillé

Der Gott des Gemetzels
Erstes Beschnuppern und Fronten klären. Mögen die Spiele beginnen.

Alles ist eigentlich wie immer: Zwei Jungs haben sich geprügelt, die Eltern treffen sich zu einem klärenden Gespräch über das weitere Vorgehen und dann… nun dann ist auch alles wie immer: Jürgen Gosch inszeniert zwei Enddreißiger-Paare, die – zutiefst besorgt um das Wohlergehen und die Erziehung ihrer Kinder – zunächst deren Ehre verteidigen wollen, um dabei selbst durch die Gratwanderung zwischen verschiedenen Solidaritätsniveaus ins Schleudern geraten. Am Ende ists weder die Solidarität zum Partner, noch die zum eigenen Geschlecht oder die zum eigenen Blut in Form der Kinder, alle sind auf sich selbst gestellt, fühlen sich allein gelassen und empfinden die Welt als das miese und unmenschliche Jammertal, welches ihre Kinder bei der harmlosen Prügelei bestimmt noch nicht erleben mussten.

Obwohl ich Gefahr laufe, langsam unglaubwürdig zu werden, bin ich schon wieder voll des Lobes für diese Inszenierung. Aus dem durchweg hervorragenden Ensemble stach Michael Maertens besonders heraus, der allein mit der Geste und der lautlichen Äußerung, die seinen ständigen Griff zum Mobiltelefon begleiteten, den Abend hätte füllen können. Eine Inszenierung, die mir endlich das wieder zurück gibt, was mir von den Berliner Inszenierungen vor allem der Volks- und Schaubühne, die mir die Lust am Theater langsam aber sicher vergällt haben, genommen worden ist: Das Gefühl, von einem Theaterstück gut unterhalten zu werden. Da können die Postdramatik, die Post-Postdramatik und der komplette ästhetische Diskurs einfach mal zu Hause bleiben, denn das ist es, wofür ich gern Eintritt zahle.

Berlin kann an dieser Stelle also ein bisschen was von Zürich lernen: Sich nicht immer selbst so unglaublich ernst nehmen, auch mal ein lustiges Stück machen.

Der Gott des Gemetzels in unscharf
Hier nochmal in unscharf. Ich saß im Rang. So weit kommt das Handy dann irgendwie doch nicht.

Wenn die Bühne am Ende einer Inszenierung so schön zerpflügt ist wie diese und ich trotzdem noch lache, dann, ja dann… nun ja, wir haben alle sehr gelacht. Eine gelungene Komödie also. Keine Standing Ovations, aber der bisher längste Theatertreffen-Applaus, den ich erleben konnte. Gelungen. Empfehlenswert.

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