Das Orgelduell
Finnen sind lustig. Eero hat uns erzählt, dass in der ersten Erwähnung Finnlands in einem römischen Dokument die Finnen als eine Art Gnome, die sich hauptsächlich von Steinen ernähren, beschrieben werden. Dem ist definitiv nicht so, davon konnte ich mich bereits überzeugen. Weder Riikka noch Eero haben bisher auch nur einen einzigen Stein gegessen und sind unglaublich zuvorkommend und freundlich, wie fast alle Finnen, denen wir bisher begegnet sind. Riikka organisiert zur Zeit ein kleines Festival am Hafen Helsinkis, dort spielt vom 1. bis zum 25. August an jedem Arbeitstag eine andere Band, hauptsächlich traditionelle finnische Volksmusik, die hier – allerdings auch berechtigterweise – einen wesentlich höheren Stellenwert innehat als in Deutschland. Riikka führt uns kurz durch die Stadt, bevor sie beim Festival arbeiten muss. Zunächst laufen wir durch den relativ überschaubaren Hafen mit integriertem Marktplatz, den wir aber – vor allem aufgrund der enorm hohen Touristenpreise – links liegen lassen.
Hier ist auch das folgende Foto geschossen, einen Bootsparkplatz konnte ich mir nicht entgehen lassen.
Danach gehen wir zu einem Dom, der für einen russischen Kaiser (rechts im Bild) wahrend der Besatzungszeit gebaut wurde. Dort erwartet uns ein Schauspiel – besser gesagt ein Hörspiel – der besonderen Art: Als wir den Dom betreten, höre ich Orgelmusik. Gut gespielt, große Orgel. Irgendwann – ich befinde mich in der Mitte des Doms – fallen mir merkwürdige Missklänge in der bisher doch relativ barocken Musik auf. Dem Organisten auch, er hört auf zu spielen. Vom anderen Ende des Doms schallt ein kleines Orgelpositiv, ein Tourist spielt. Als er bemerkt, dass die große Orgel aufgehört hat, beendet auch er sofort sein Spiel. Die große Orgel fängt wieder an. Der Tourist auch. Als die Kathedralenorgel erneut aufhört, höre ich den Touristen ein Latin-Lick spielen. Der Organist des Doms tritt an die Empore und beschwert sich lautstark, als wir den Dom verlassen.
Abends dürfen wir noch kostenlos ins Theater gehen, weil Eero bei einem Tanztheaterstück als Lichttechniker arbeitet. Die Musik, welche die Liveband spielt, stellt eine Mischung aus traditioneller finnischer Volksmusik und sehr modernem Jazz dar, unglaublich interessant. Ich ziehe sofort Parallelen zu nordischen Jazzbands, die Einflüsse traditioneller Musik auf ihr Spiel sind unüberhörbar.
Morgen vielleicht mehr, das Wetter ist einfach zu gut, um viel zu schreiben.
No comments yet.