The Future is Now – Zur Selbstbezüglichkeit
Und zwar, weil: In the future, everyone will be world-famous for 15 minutes. Das ist kein Satz. Das Zitat schon, aber das Und-Zwar-Konstrukt nicht. Das habe ich nur benutzt, weil dies jetzt modern zu sein scheint. In einer Zeit, in der es für niemanden – schon gar nicht für Germanisten und sonstige Geisteswissenschaftler – mehr wichtig ist, diese pingeligen deutschen Sprachregeln korrekt anzuwenden, scheint es Mode geworden zu sein, Sätze mit “Und zwar…” zu beginnen. Einfach so. Widerlich.
Was ich aber eigentlich sagen wollte: Die Selbstbezüglichkeit der deutschen Blogosphäre, gegen die (genauso wie gegen den Begriff Blogosphäre selbst) immer und überall Widerstand geleistet wird, ist für meine Begriffe auf jeden Fall ein Phänomen, was nicht nur nachweisbar ist, sondern zur Konstitution und Stabilität der Blogosphäre selbst beiträgt.
Aber, äh, von vorn: Warum schreibe ich über Selbstreflexivität? Weil ich es selbst erlebt habe. Ich schrob einen Text, der noch nicht mal besonders gut klingt und der im Kern und im Drumherum und so, und zwar, jedenfalls: der ausschließlich aus Kritik besteht. Andere verlinken ihn (die ich jetzt nicht verlinke, damit das nicht wieder los geht, denn die Spirale muss unterbrochen werden!) und ruck-zuck… in die Top 100 bei Blogscout. Bei gleichzeitig irgendwas um die 20 Visits am Tag. 20. Das ist nicht viel. Das ist ziemlich wenig. Zwischendurch, vor ca. einem Jahr, waren es mal um die 600, allerdings alles Google-Treffer, und demzufolge eher irrelevant für Blogscout. Nun ja, man kann mit 20 Visits anscheinend relevant sein, denn sofort erreichten mich auch Werbetrackbacks, für die ich vorher zu irrelevant war.
five of fifteen minutes of fame (Tag 2 von 3)
Also, wo nochmal?
Bei Blogscout. Das ist so eine Art Relevanz-Messsystem für Blogs.
Relevanz? Bei wem?
Na, bei den Leuten, die Blogs lesen. Und schreiben. Also, bei denen, die sich mit Blogs auseinandersetzen. Ahso, klar, Selbstbezüglichkeit. Denn von Blogscout wird man ja auch wieder verlinkt. Und von Technorati. Und den ganzen anderen verrückten Werkzeugen, die in der normalen Welt niemand kennt.
Ohne Selbstbezüglichkeit in Form von Trackbacks, Pingbacks, Social Bookmarking und sonstigen lustigen Dingen, die man wirklich niemandem erklären will, würde in der Blogosphäre gar nichts laufen. Weil niemand irgendwas finden würde, wären die redaktionell betreuten Seiten der “alten Medien” für die Masse der Blogbesucher vermutlich interessanter und nur wenige würden sich auf gut geschriebene Seiten verirren.
Also freut euch: Denn ohne das “Selbst” in Selbstreflexion und Selbstdarstellung würde das System Web 2.0 keine Chance haben. Am Selbstbewußtsein hingegen muss zumindest im blogosphäreflektierendsten aller Weblogs wohl seit einiger Zeit auch nicht mehr gestrickt werden, eher noch an der Selbstkritik.

No comments yet.